Jahresthemen

GrensWerte schreibt jeweils zum April jeden Jahres Themen aus, um die einzelnen Kunstprojekte über das gemeinsame Themendach Grenzen, Werte, Grenzwerte hinaus zu einem Programm zu verbinden. Die ersten beiden Themenjahre interpretierten mit Passage, Overhanging Fruit und Plusminus folgt der Blick auf das Verfallsdatum.


Jahresthema 2013: Best Before

Best before fragt, was kommt, wenn man die Mindesthaltbarkeitsgrenze überschreitet, den Sicherheitsbereich verlässt und sich in nicht mehr klar definierten räumlichen und zeitlichen Dimensionen aufhält. Gleichzeitig markiert das Jahresthema das Ende der Interreg IV A-Förderperiode, Gelegenheit zur Rückschau auf viereinhalb Jahre GrensWerte – und für den Blick in die Zukunft.

 

Best before ist die Zeit, die bleibt bis zu einem unscheinbaren Datumsaufdruck. Gleichzeitig muss man suchen: Am Boden, am Deckel, am Rand. Es hilft bei der Orientierung, lässt eine Verpackung über ihren Inhalt urteilen. Das Jahresthema löst einen Müllreflex aus, liefert den Vorwand, um jenseits der Zeit einen Kühlschrank voller Nahrungsoptionen zu entrümpeln.

 

Best before fordert uns auf, nicht zu lange zu warten und den Moment zu genießen. Es warnt davor, mehr zu nehmen, als man aufbrauchen kann, nicht sinnlos zu horten. Was bleibt - nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums? Was ist die Halbwertzeit einer Wahrheit? Ist unser Schicksal vorherbestimmt? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ist Käse vergammelte Milch?

 

Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. 

 

Jahresthema 2012: +/-

Plusminus polarisiert: Was zieht an, was stößt ab? Was trennt uns, was verbindet?
Plusminus wertet: was ist gut und was ist schlecht und wer bestimmt, dass das so ist? Wie erkenne ich das?
Plusminus wertet aus: Pro oder Contra, Gewinn oder Verlust?
Plusminus spekuliert, ist ungefähr, mehr oder weniger soundso viel. Plusminus hebt sich auf. Plusminus hält zusammen, ist ohne den Gegenpol nicht denkbar, hält sich aneinander im Gleichgewicht und die Welt in den Fugen.
Plusminus ist Tragödie und Komödie, lachen oder weinen, schwarz/weiß oder Farbe.
Plusminus ist das Höchste der Gefühle, Tragikomödie, weinen und lachen in einem.

 

Jahresthema 2011: Overhanging Fruit

Overhanging Fruit – sinnliches Bild für anarchisches, grenzignorierendes Wachstum, fruchtiges Überfließen aus der Privatsphäre in den öffentlichen Raum, Geschenk, Versuchung. Verbotene Frucht, verführerischer Gruß aus dem zugesperrten Garten Eden, unwiderstehlich. Zugleich Überwindung und Manifestation menschgemachter Grenzziehung. Ungefragtes Eindringen in den nachbarlichen Luftraum, Schlachtfeld kleingeistiger Bürgerkriege um unklare Besitzverhältnisse zwischen Erntereife und Fallobst, geführt mit Pflückkorb oder Säge, mit Handgreiflichkeiten und vor Gericht. Mein Ast, dein Grundstück, unser Obst? Vitamine für alle!

 

Jahresthema 2010: Passage

Täglich passieren Tausende Menschen die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Mit Auto, Bus und Bahn, per Fahrrad und zu Fuß oder selbst über den Luftweg. Das passiert ganz routinemäßig, ist gleichzeitig aber auch ein wenig besonders. Die Passage tauscht einen kulturell bestimmten Raum mit einem anderen aus. Und obwohl der Reisende dies nicht bewusst tut, ist seine Handlung von großer kultureller als auch persönlicher Bedeutung. Rites de passage beschreibt die Passage, das Passieren als Übergangsritual. Die ursprüngliche Identität (des Gebiets) wird verlassen und ein nicht definierter, fragiler Zwischenraum dient als Übergang, mit dem man eine neue Identität betritt. Aber was sind diese räumlichen Identitäten, die verlassen und betreten werden? Werden sie durch das Tempo des Alltags miteinander verknüpft oder eher abgestoßen? Existiert überhaupt noch eine Grenze, eine Lücke, ein Übergangsraum zwischen Identitäten?

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